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                      Praxis, Seminar- und Forschungsstätte für die Psychotherapie mit dem Pferd

 

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Psychotherapie mit dem Pferd

Wirksamkeitsstudie

 

 

 

Die Idee unseres Projekts ist „alt" – im Hintergrund nachvollziehbar bis in ihre mythologischen, d.h. menschheitsgeschichtlich bedeutsamen Wurzeln. Das mythologische, göttliche Pferd war „Psychopompos", Seelenführer, Seelen geleitender Wegbegleiter. Der „Therapeut", (griech. „therapon") ist „Diener" und „Gefährte"; Chiron, halb Mensch, halb Pferd, heilkundiger Kentauer und Lehrer des Asklepios, war Therapeut in Pferdegestalt. Er vermochte seine eigenen Schmerzen nicht zu lindern, aber er lehrte Asklepios zu heilen! In den Märchen führen und tragen wissende Pferde den Menschen, weisen ihm den Weg an bessere Orte. Etwas vom Wesen der Pferde wirkt, wie es scheint, heilsam auf die Seele der Menschen – und so ist es kein Zufall, dass sie mehr und mehr dort an Bedeutung gewinnen, wo konventionelle psychotherapeutische Ansätze – etwa in der Arbeit mit schwer traumatisierten Menschen - an ihre Grenzen stoßen. In der psychotherapeutischen Behandlung trägt das Pferd den seelisch verletzten Menschen. Als reales, lebendiges Therapiepferd begegnet es Patienten und Patientinnen hilfreich, wohlmöglich heilend; eine Erfahrung, die wir im Laufe der vergangenen zwölf Jahre  immer wieder mit großem Staunen machten. Mit der zentralen Frage „Was eigentlich wirkt vom Wesen des Pferdes auf die Seele der Menschen?" stoßen wir bald an Erklärungsgrenzen. Was in vielen Einzelfällen berichtet und bestätigt, bisher aber nicht nachgewiesen wurde, stößt auch an Grenzen sprachlich zutreffender Begrifflichkeit – handelt es sich um „emotionale Intelligenz", um „Instinkt", „archetypische Qualitäten", um „angeborenes Verhalten" oder „erworbenes Potenzial"?

Wir haben einen Ort geschaffen, an dem Praxis, Lehre und Forschung im Bereich der Psychotherapie mit dem Pferd miteinander verbunden werden sollen. Unser Anliegen ist es, im Rahmen psychotherapeutischer Richtlinienverfahren den hohen therapeutischen Wert, den das Pferd als zusätzliches, lebendiges Medium haben kann, zu dokumentieren, zu evaluieren und zu belegen, d.h. die Wirkfaktoren des Pferdes auf die menschliche Psyche zu beobachten und zu beschreiben. In diesem Sinne konzipierten wir eine auf einen Zeitraum von sechs Jahren hin angelegte Studie.

                                 Beschreibung der geplanten Studie:

Die emotionale Intelligenz des Pferdes

Untersuchung zur Beziehungskompetenz von Pferden im Kontext ihres Einsatzes in der psychotherapeutischen Behandlung seelisch erkrankter Menschen

Die Initiatorinnen sind gleichermaßen an der psychotherapeutischen Praxis – mit Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen - wie an einer gründlichen Evaluation und Wirksamkeitsforschung innerhalb dieses Ansatzes interessiert. Die Erarbeitung professioneller Standards und Qualitätskriterien für die Aus- und Weiterbildung von Multiplikatoren, vor allem hinsichtlich der komplexen Wahrnehmungs- und Beziehungsarbeit mit den Therapiepferden ist ebenfalls ein wesentliches Anliegen. Seit sechs Jahren findet ein regelmäßiger, wissenschaftlicher Austausch in einem von uns mit begründeten, international zusammengesetzten Arbeitskreis (Fachgruppe Arbeit mit dem Pferd in der Psychotherapie – Link: www.fapp.net) statt. Die praktische Arbeit wird ergänzt durch Vortrags- und Lehrtätigkeit (z.B. 2. Europäischer Kongress „Das Pferd in Psychiatrie und Psychotherapie" München 1998, Schweizerische Vereinigung für Heilpädagogisches Reiten), neueste Publikationen erschienen im Februar 2005 „Das Pferd in der Psychotherapie – Beiträge aus der Praxis" Hrsg. FAPP und Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten; "Psychotherapie mithilfe von Pferden - Eine tragende Beziehung" Deutsches Ärzteblatt PP 10 /2005.

Auf Kroed befinden sich zur Zeit 11 Therapiepferde - fünf Isländer, fünf Warmblüter und ein Shetlandpony. Bis auf letzteres und zwei Nachwuchspferde waren alle auch im Turniersport erfolgreich. Mit ca. 10 ha Grün- und Ackerland, zwei Außenreitplätzen (Gras und Sand), Halle 20 x 45m und diversen Ausbaureserven bieten die Höfe nahezu alle Voraussetzungen für dieses Vorhaben, vor allem eine artgerechte Haltung der Pferde in Boxenställen mit täglich mehrstündigem Auslauf oder Weidegang sowie Offenställen und kleinen Herdenverbänden. 

Die psychotherapeutische und körperpsychotherapeutische Arbeit mit dem Pferd ist, so lässt die empirische Erfahrung vieler Jahre und lassen zahlreiche Einzelfallberichte zwingend vermuten, ein hochwirksames therapeutisches Instrument. Sie ermöglicht auf der ganz basalen Ebene des Körper-Selbst offenbar tiefe, heilende Selbst- und Beziehungserfahrungen. Als leiborientierte Interventionsform, eingebunden in eine tragfähige therapeutische Beziehung, bietet sie die Möglichkeit ganzheitlichen Erlebens innerhalb eines geschützten Erfahrungsraumes. Das Pferd steht als lebendiges Wesen dem häufig sehr verletzten Grundbedürfnis nach Beziehung und Bezogenheit zur Verfügung. Es öffnet auf einer rein sinnlichen, vorsprachlichen Ebene die Fähigkeit des Fühlens, Sich-Einfühlens und einer Art Affekt-Abstimmung, wie sie in der ganz frühen Mutter-Kind-Beziehung geschieht. Vor allem aber ermöglicht das Pferd körperliche Berührung und seelisches Berührtsein, wobei das Erleben des Getragenseins eine besonders wichtige, entwicklungspsychologisch hoch bedeutsame Erfahrung ist. Das Pferd fördert und fordert auf der ganz konkreten, äußeren Ebene Aufrichtung und Balance, es bringt den Menschen in seine Mitte, ins Gleichgewicht. Die Körperarbeit mit und auf dem Pferd umfasst die ganze Bandbreite passiv-regressiver Erfahrungen des Sich-Überlassens, Getragen-, Gewogenwerdens und eher aktiver Erfahrungen behutsamen Herangehens: Zuwendung, Bezogenheit, Fürsorge, aber auch Steuerung, Grenzsetzung und deutliche Willensäußerung, auf die das Pferd unmittelbar, vor allem nicht-wertend reagiert. Die Begegnung mit dem Pferd als lebendigem Wesen impliziert bei jeweils selbst gewählter Nähe und Distanz das Wiedererleben bzw. die mögliche Rekonstituierung der eigenen Körpergrenzen. Innerhalb deutlicher werdender Körpergrenzen und kohärenterer Ichgrenzen kann sich die Patientin eine emotionale Öffnung in der Beziehung und damit eine Öffnung hin zum eigenen Selbst psychisch „leisten" und erlauben.

Psychotherapeutische Indikation

Besonders geeignet erwies sich bisher die Arbeit mit dem Pferd für Menschen mit psychosomatischen Erkrankungen, insbesondere Eßstörungen, posttraumatischen Belastungsstörungen und allen anderen Erscheinungsformen psychischer Beeinträchtigung, die mit Störungen des Körperempfindens, des Körperschemas und der Körperwahrnehmung einhergehen. Patienten mit Ängsten und depressiven Störungen und entsprechenden Problemen in der Beziehungsgestaltung können von der Therapie mit dem Pferd profitieren, und auch - unter strenger Indikationsprüfung - Patienten mit Persönlichkeitsstörungen. Eine weitere mögliche Indikation stellt sich bei Menschen mit chronischen Schmerzen, sowohl bei nachgewiesenen somatischen Erkrankungen, als auch ohne Nachweis einer relevanten körperlichen Läsion.

Die therapeutische Beziehung – in der Dyade PatientIn-TherapeutIn und in der Triade mit dem hinzukommenden Pferd - ist das integrierende Gefäß des gesamten Prozesses. Sie ist Ort der Austragung, Bewußtwerdung und Veränderung einer inneren und äußeren psychopathologischen Dynamik. Das therapeutische Malen, Arbeit mit Ton oder das Gestalten von Sandbildern dient dem Ausdruck all jener Inhalte, die sich verbaler Kommunikation (noch) entziehen, oder in diese erst hineinübersetzt werden müssen. Das Malen und Gestalten des inneren Erlebens, der inneren Bilder, ermöglicht wiederum Anschauung, Reflexion, Abgrenzung und Distanz. In Bildern und Zeichnungen können ebenso all jene nicht verbalen, sinnlich – körperlichen Begegnungserfahrungen mit dem Therapiepferd möglicherweise eher verarbeitet werden und einen Ausdruck finden, als in Worten und gesprochenen Mitteilungen. Zugleich erlauben sie im Rahmen von Wirksamkeitsstudien behutsame Rückschlüsse auf diese ganz besondere Beziehungserfahrung.

Wissenschaftliche Begleitung und Evaluation

Die Rekonstruktion von Therapieverläufen anhand schriftlicher Stundenprotokolle und üblicher Dokumentation hat den Nachteil, daß vieles von dem, was nicht-sprachlich repräsentiert war, verloren gehen kann. Wir beabsichtigen neben dem Einsatz standardisierter Evaluations- instrumente für die Therapieverläufe Langzeitbeobachtungen und –studien mittels Videotechnik. Die Verhaltensbeobachtung der Pferde ist, vergleichbar mit der modernen Säuglingsbeobachtung, deduktiv bzw. prospektiv angelegt. Wir erwarten aus den Detailstudien des vorhandenen Filmmaterials „Antworten", aus denen sich Hypothesen zur Interaktion, zur nonverbalen Kommunikation und zu vermutenden, heilsam wirkenden „Beziehungsangeboten" zwischen Pferd und PatientIn bzw. Pferd und TherapeutIn ableiten lassen.*)

*) Beispiel: Ein Therapiepferd, das selbst die Augen schließt und eine verlangsamte, tiefe Atmung zeigt, während die Patientin auf seinem Rücken sitzend einen Baum, seine Krone und seine Wurzeln imaginiert, reagiert damit auf den inneren Zustand und Prozess der Patientin. Filmisch festgehalten, ist das Verhalten des Pferdes als Reaktion – vor allem im Kontext der therapeutischen Intervention und des Erlebens der Patientin - sichtbar und nachweisbar. Als erzähltes kleines Ereignis löst eine solche Schilderung bei Skeptikern allenfalls ein mildes Lächeln aus.

Problembeschreibung

Positive Wirkungen des Pferdes auf die psychische Befindlichkeit des Menschen in psychotherapeutischen Prozessen sind „bekannt" - aber kaum untersucht. Überhaupt nicht untersucht wurde bisher, in welcher Weise, womit und wie das Pferd – wenn etwas von seinem Wesen auf die Seele der Menschen wirkt – diese Wirkungen evoziert. Die Phänomene der postulierten Wirksamkeit im psychotherapeutischen Kontext sind äußerst schwer zu beschreiben; ein Nachweis unter heute gültigen und nachvollziehbaren wissenschaftlichen Kriterien steht noch aus. Es gibt unseres Wissens nur sehr wenige Studien zu nicht körperlichen, d.h. über physiologische, anatomische, den menschlichen Bewegungsapparat hinausgehende Wirkungen des Pferdes auf den Menschen. Das zu untersuchende Feld – es geht um die gegenseitige Wirkung zweier höchst komplexer, lebendiger Systeme, ihre Interaktion und Kommunikation - ist zudem über physikalische Einheiten (Messen, Wiegen, Schätzen) nicht zu erfassen, so dass in diesem Falle ein reduktionistisch-wissenschaftlicher Ansatz mit Ausschluß von Komplexität und Verkleinerung des Systems, um besser beobachten zu können, versagt. Es soll daher versucht werden, einen Untersuchungsansatz zu finden, der diesen komplexen Anforderungen gerecht wird, wobei keine quantifizierbaren Ergebnisse, wohl aber möglichst detailgenaue, qualitative Beschreibungen erwartet werden.

„State of the Art" auf dem Gebiet

Zur Theoriebildung der Psychotherapie mit dem Medium Pferd lassen sich zwei historische Entwicklungslinien erkennen: Zum einen die „Animal-Assisted Therapy" (AAT) mit Beginn in den 60er Jahren im angloamerikanischen Raum, später auch unter dem Begriff der „tiergestützten Therapie" (Greiffenhagen, 1991, S. 30) in Deutschland bekannt – zum anderen das Therapeutische Reiten, das sowohl im deutschsprachigen als auch im angloamerikanischen Raum eine längere Tradition seit den siebziger Jahren hat. Während nach Strauß (1999, S. 16) „keine physiotherapeutische Methode so eingehend untersucht ist wie die Hippotherapie", liegen nach Papke (1997) „im Bereich des Heilpädagigischen Reitens / Voltigierens und der Arbeit mit dem Pferd in Psychiatrie und Psychotherapie ´vereinzelte` (Hervorh. V. Verf.) Untersuchungen zum Nachweis psychomotorischer, emotionaler und sozialer Effekte bzw. Verhaltensänderungen innerhalb und außerhalb der Therapiesituation" vor. Von 1991 bis 1995 wurden im Rahmen eines stationären Settings im BKH Haar bei München vier experimentelle Studien zum Therapeutischen Reiten als ergänzende Behandlung bei chronisch schizophrenen Patienten durchgeführt. Sehr verkürzt zusammengefasst konnten folgende statistisch signifikanten Ergebnisse im Vergleich zu einer Kontrollgruppe gefunden werden: Verbesserung des gesamten psychopathologischen Befundes (gemessen mit der Brief Psychiatry Rating Scale BPRS), Verbesserung der Alogie und der Aufmerksamkeit (gemessen mit SANS zur Beurteilung der Minussymptomatik), tendenzielle Verbesserung der Selbständigkeit, gemessen an der späteren Wohnsituation und Verbesserung der subjektiven Befindlichkeit (im Anschluß an die Therapieeinheit, gemessen mit der Befindlichkeitsskala BF-S nach v. Zerssen). (Quelle: Scheidhacker, M. 1998b) Seit Mai 2001 wird eine über fünf Jahre dauernde Langzeitevaluationsstudie durchgeführt, die die Wirksamkeit von heilpädagogischem Voltigieren / Reiten bei autistischen Kindern überprüfen soll. (Pickartz&Schulz, 2002). Wirksamkeitsstudien zur eigentlichen Psychotherapie mit dem Pferd stehen auf Grund der Schwierigkeit der Beschreibung, der Untersuchung und des Wirksamkeitsnachweises noch aus. Erschwerend kommt außerdem die Notwendigkeit einer Dreifachqualifikation der behandelnden Therapeutinnen und Therapeuten hinzu (medizinisches oder psychologisches Grundstudium, Psychotherapieausbildung und hippologisches Fachwissen/Reitkenntnisse). Dennoch wurden in den vergangenen Jahren immer wieder Praxisberichte und Einzelfalluntersuchungen veröffentlicht. („Die Arbeit mit dem Pferd in Psychiatrie und Psychotherapie", Sonderheft Deutsches Kuratorium für Therapeutisches Reiten; „Ich träumte von einem weisen Schimmel, der mir den Weg zeigte…" W. Bender u. M. Scheidhacker; „Psychotherapie mit dem Pferd – Beiträge aus der Praxis"; Hrsg. FAPP und DKTHR 2005)

All diesen Studien ist jedoch gemeinsam, dass sie sich ausschließlich auf den Menschen konzentrieren; in keiner der Studien wird die Interaktion und Kommunikation zwischen Pferd und Mensch, und in keiner der Studien wird die diesbezügliche Kompetenz des Pferdes untersucht.

Die moderne Säuglingsforschung ist mit ihren Ansätzen (hier v. a. der Einsatz von Videotechnik zur Analyse realer Phänomene) unserer Frage und unserer Problemstellung noch am ehesten verwandt a) im Hinblick auf die Erforschung der Interaktion zweier komplexer, lebendiger Systeme, von denen das eine nicht-verbal bzw. vorsprachlich kommuniziert, b) dem offenen, fragenden Blick auf die Kompetenz des Säuglings.

Vorgängige Aktivitäten der Therapeutinnen

Dr. med. Marika Weiger * 1960

Ärztin und Psychotherapeutin, Aus- u. Weiterbildung in verschiedenen somatischen und psychotherapeutischen Verfahren. Balintgruppenleiterin (BLÄK), Reitwart (FN), Reitpädagogin (DKTHR). Seit frühester Kindheit aktive Reiterin mit Erfolgen in Dressur-, Spring- und Militaryprüfungen bis Kl. M; später Umstieg auf Islandpferde, hier Erfolge in Gangpferde- und Rennpassprüfungen. Seit 1996 Psychosomatisch-Psychotherapeutische Praxis mit integrativem Ansatz in Pfarrkirchen nach Tätigkeit in einem Forschungsprojekt der Deutschen Krebshilfe und als leitende Oberärztin an einer Rehaklinik für Psychosomatik und Ganzheitsmedizin. Publikationen: Zahlreiche Veröffentlichungen zur Untersuchung unkonventioneller Verfahren in der Onkologie, u.a. Unkonventionelle Methoden in der Onkologie. Hilfe oder Risiko für Krebskranke? Münch. Med. Wschr. 1992; 134 Nr. 47; Ernährung bei Krebs, Gräfe und Unzer 2000; Pferde – Wegbegleiter aus der Depression in: Psychotherapie mit dem Pferd – Beiträge aus der Praxis, Hrsg. FAPP und DKTHR 2005

Birgit Heintz * 1957

Psychoanalytikerin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Psychotherapeutische Tätigkeit in eigener Praxis seit 1992 u. in der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie Lübeck. Entwicklung und Konzeption eines Nachbehandlungsmodells für zuvor stationär untergebrachte PatientInnen mit Posttraumatischen Belastungsstörungen auf dem Steinbachhof, Südschwarzwald. Förderung der psychotherapeutischen Arbeit mit dem Pferd in diesem Rahmen durch die Stiftung f. Bildung und Behindertenförderung (R.Bosch) Stuttgart. Seit dem 12. Lj. aktive Reiterin, schwerpunktmäßig Ausbildung junger Pferde nach den Grundsätzen der Klassischen Reitlehre mit Spring-, Dressur- und Vielseitigeitserfolgen bis Kl.L. Dozentin C.G. Jung Institut Zürich und Schweizerische Vereinigung für Heilpädagogisches Reiten (SVHPR). Reitwart (FN), Trainer B (DSB) Publikationen: Das Pferd in der Kinderpsychotherapie – Eine tragende Beziehung im Spiegel von Kinderzeichnungen, Sandbildern und spieltherapeutischen Prozessen, Diplomthesis C. G. Jung – Institut Zürich 1996; Lucia – Therapie einer Jugendlichen mit Posttraumatischem Belastungssyndrom in: Psychotherapie mit dem Pferd – Beiträge aus der Praxis, Hrsg. FAPP und DKTHR 2005

Hypothesen, Offene Fragen, Ziel des Projekts

Die wesentliche Hypothese ist:

Pferde evozieren positive Wirkungen auf die psychische bzw. leib-seelische Gesamtbefindlichkeit von Menschen in psychotherapeutischen Prozessen. Diese Wirkungen sind nicht zufällig sondern basieren auf spezifischen Wesenseigenschaften, Fähigkeiten und beobachtbaren Beziehungsangeboten der Pferde.

Offene Fragen:

Gibt es B E Z I E H U N G (aktives Aufeinander-Bezogen-Sein) zwischen Pferd, PatientIn und TherapeutIn?

Wenn ja, lässt sie sich beobachten?

Gibt es Nachweissysteme?

Ist sie gerichtet oder zufällig?

Sind besondere Verhaltensweisen und – qualitäten der Pferde zu beobachten?

Nehmen Pferde die psychische Befindlichkeit der Patienten wahr ? Reagieren sie auf die psychische Befindlichkeit der PatientInnen, „beantworten" sie sie?

        Gibt es Anzeichen dafür? Übernehmen sie Symptome?

Können Pferde „empfinden" ? Gibt es Anzeichen dafür ? (Spannung, Unruhe, Müdigkeit, Abwehrreaktionen, Angst…)

Gibt es Hinweise auf katalysierende Wirkungen durch die Anwesenheit von Pferden in psychotherapeutischen Prozessen?

Ziel des Projekts ist es, einen Untersuchungsansatz zu finden und zu erproben, der dazu dient, Antworten auf diese Fragen zu finden. Nachweisbare Erkenntnisse im Bereich „emotionaler" – und möglicher Beziehungskompetenz und –intelligenz von Pferden wären von großer Bedeutung im Hinblick auf die wissenschaftliche Fundierung ihrer Einbeziehung in bereits evaluierte psychotherapeutische Verfahren.

Internationale Kooperation

Eine Kooperation mit der Universität Wien, Prof. R. van den Hoven vet. med. Fakultät ist angedacht; dort wird ein Diplom-Studiengang zur Mensch-Tier Beziehung geplant.

Mit österreichischen Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls Pferde psychotherapeutisch einsetzen, ist ein engerer und regelmäßiger fachlicher Austausch geplant.

Die Fortbildung von Multiplikatoren ist ebenfalls für österreichische Kollegen geöffnet. Insbesondere ist hier eine Kooperation mit den Salzburger Ausbildungsinstituten und der österreichischen C.G. Jung Gesellschaft denkbar.

Bedeutung des Projekts aus hippologischer Sicht

Nach dem Ende des militärischen Einsatzes von Pferden in den letzten Kriegen und nach dem Verschwinden von Pferden aus der Landwirtschaft stellte sich die Pferdezucht auf das neue Ziel des „Sportpferdes" ein. Zucht und Pferdesport erfuhren einen wahren Boom, jedoch auch eine ständig zunehmende Kommerzialisierung und Leistungsorientierung; der Wert eines Pferdes wurde und wird anhand seiner Erfolge und Gewinnsummen bemessen. In den letzten Jahren erleben wir einen erneuten Paradigmenwechsel in der Reiterei; die Zahl der ReitausweisinhaberInnen und sportorientierten Reiter nimmt ab, die Zahl der Wander- und Freizeitreiter wächst. Nach dem Dienst als Soldatenpferd und Partner im Sport wird nun das Pferd auf nochmal andere Weise vom Menschen gebraucht – als Freizeit- und Lebenspartner, weg von der Selbstdarstellung hin zur Selbsterfahrung. Diese Reiter lehnen „zum Wohle des Pferdes" Sport und Leistungsbetonung häufig ab und wissen oft nicht um die Notwendigkeit gymnastizierender Ausbildung des Pferdes, das sie tragen soll. Mitunter entziehen sie sich der Verpflichtung, hippologisches Fachwissen und hinreichende Reitkenntnisse zu erwerben. Die Folge – Pferde werden „schwierig" und entwickeln „Unarten". Pferdeflüsterer und -verhaltenstherapeuten sprießen aus dem Boden, „Gurus", die aus dem Management der vermeintlichen Schwierigkeiten und Defizite – der Verweigerung der Pferde unfachlicher Behandlung gegenüber - wieder Kapital schlagen.

Wie können wir den Pferden in unserer heutigen Welt einen guten Ort, ihrem Wesen und ihrer Natur adaequate Aufgaben und eine Daseinsberechtigung bewahren, bei der sie ihre Potenziale entfalten und dem Menschen vielleicht etwas von dem geben und schenken können, was er wirklich in der Tiefe sucht? Wie kann dies geschehen, ohne dass Pferde im Sport überfordert, verletzt, narzisstisch missbraucht, aus Ehrgeiz und Unkenntnis gequält oder auch unqualifiziert idealisiert werden?

Die hier vorgelegte Studie zielt auf die Kompetenz der Pferde in einem Bereich, der aus dem Bewusstsein der Menschen verlorengegangen ist oder zumindest verlorenzugehen droht, wenngleich die eigentliche Sehnsucht nach dem "höchsten Glück auf Erden" wahrscheinlich genau dieses meint: nicht nur die Erfüllung der reiterlichen Anforderung an den Menschen, sich einzufühlen in das Pferd, sondern die Fähigkeit des Pferdes, sich einzufühlen in den Menschen. Auf die Beziehung zu den Pferden ist die eigentliche, tiefe Sehnsucht der Menschen gerichtet und darauf, mit ihrer Freundschaft und ihrem Vertrauen auch ihre Seelennähe zu gewinnen.  Kinderfilme und Jugendromane zeugen davon, aber auch Reiterinnen und Reiter, deren Pferde zu sportlichen Höchstleistungen bereit waren, kennen diese Erfahrung absoluten, gegenseitigen Vertrauens.

Ein genauerer Blick auf die Beziehungsangebote und die „emotionale Kompetenz" der Pferde im psychotherapeutischen Kontext will jedoch nicht ihre „Mystifizierung" sondern fundierte Aussagen zu beobachtbaren Phänomenen unter anerkannten wissenschaftlichen Kriterien - mit dem Ziel, das Wissen um diese Qualitäten und Potenziale wieder vermehrt in das Wissen und das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu tragen und diesen Potenzialen Achtung und Wertschätzung zu erweisen. Neben der Bedeutung eines solchen Wirksamkeitsnachweises für die Psychotherapie und die psychotherapeutische Fachöffentlichkeit könnte eine differenziertere Berücksichtigung psychischer und mentaler Gegebenheiten auch in der Ausbildung von Reitern und Pferden generell dazu dienen, das gegenseitige „Einfühlen" und die Sensibilität des Reiters für die Psyche des Pferdes zu verfeinern.